Betrifft: Gesellschaft und Politik
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Von der Arbeits- zur Wissensökonomie (2)
Über Enteignung und Wiederaneignung der Arbeit

Wiederaneignung der Arbeit
  Die Frage der Finanzierung wird sich in Zukunft ganz anders stellen müssen, als im bisherigen marktwirtschaftlichen Rahmen. Der technologische Wandel, namentlich die Verbindung computergesteuerter Maschinen und Fertigungssysteme, die demnächst sich selbst zu reparieren und zu vermehren fähig sein sollen, birgt quasi unbegrenzte Selbstversorgungs- und Selbsttätigkeitsmöglichkeiten für lokale Gemeinschaften und auch für einzelne Personen. Diese Möglichkeiten (...) bieten in Indien, China oder Mexiko ebenso gut wie in Deutschland oder Kanada den Ausweg aus der Krise des Erwerbsarbeitssystems. Sie sprengen das Monopol des Kapitals als Alleinbesitzer leistungsfähiger, arbeitssparender Produktionsmittel. Sie weisen in Richtung peoble's economy, die sehr weitgehend auf selbstorganisierten, lokalen, vernetzten Selbstversorgungs- und Tauschringen aufbaut. Der Reichtum und Lebensstandard einer Bevölkerung hängt dann weit mehr von der Dichte der lokalen Hightech- Selbstversorgungseinrichtungen ab, als von der Höhe des Geldeinkommens.
  Die Verbreitung arbeitssparender Hightech- Selbstversorgungseinrichtungen bietet die Möglichkeit, das Verhältnis zwischen Eigenarbeit und gesamtgesellschaftlich erforderlicher Erwerbsarbeit umzukehren. Erstere könnte den bei weitem größten Teil aller Bedürfnisse und Wünsche decken, von letzterer bliebe nur ein immer unbedeutenderer Restbestand. Beide würden sich der Form und dem Inhalt nach kaum unterscheiden und zusammen ca. 150 Tage in Anspruch nehmen (das war auch die normale Arbeitszeit bis Mitte des 18. Jahrhunderts). Die höheren Tätigkeiten, "die sich als Selbstzweck gelten", würden alle anderen überwiegen.
   Konsumwahn, Arbeitszwang und Leistungsdruck könnten verschwinden. Warum, wird oft gefragt, sollten sich die Menschen für bezahlte, gesamtgesellschaftlich notwendige Arbeit noch hergeben, wenn sie, dank Grundsicherung und Eigenarbeit, auch ohne Erwerbsarbeit auskommen können? Die Frage sollte eigentlich nur von denjenigen gestellt werden, die Arbeit als Buße, Selbstaufopferung und Nötigung ansehen. Warum sollte Freude an und Lust zur Arbeit nicht mit dem Verschwinden des Arbeitszwangs verbunden sein?

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