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 last update: boa München, Do. 03.01.2002 - 14:00 
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Do.03.01.2002      

Bilanz 2001:

Ein Jahr der Extreme zwischen Hitze und Kälte,
Dürre und Flut, Krieg, Terror und sozialem Elend

Erderwärmung als Folge menschlichen Handelns schreitet voran.
2001 sind weltweit 46 kriegerische Konflikte geführt worden.
     Sieben Millionen Menschen sind dabei zu Tode gekommen.
Kirchen machen soziales Elend für Terrorismus mitverantwortlich.
Ein Drittel aller Kleinkinder bekommt nicht genug zu essen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Erderwärmung als Folge menschlichen Handelns schreitet voran

Extreme Hitze und Kälte sowie Trockenheit und Regenfälle: Selten zuvor hat das Wetter weltweit so verrückt gespielt wie im vergangenen Jahr. "Es war ein Jahr der Extreme", sagte der stellvertretende Generalsekretär der Internationalen Organisation für Meteorologie (WMO), Michel Jarraud. Es habe mit 15 tropischen Stürmen im Nordatlantik fünf mehr als sonst im Jahresdurchschnitt gegeben. Im weltweiten Durchschnitt wird 2001 nach 1998 als das zweitwärmste Jahr in die 141-jährige Statistik der WMO eingehen.

Weltweit sind die Temperaturen in den vergangenen hundert Jahren mit mehrfachen Unterbrechungen um 0,6 Grad Celcius gestiegen. Der Anstieg der Durchschnittstemperaturen werde anhalten, sagte der Direktor des Weltklimaprogramms, Ken Davidson. Dies sei vor allem durch Menschenhand verursacht.

Deutschland und Dänemark erlebten mit vier Grad Celcius über dem Durchschnitt den wärmsten Oktober seit Beginn der Wettermessungen. Mit Temperaturen um die 50 Grad Celcius suchte Anfang Mai eine ungewöhnliche Hitzewelle Pakistan heim.

Auf der anderen Seite litten die Menschen in Russland zwei Wochen lang unter extremster Kälte mit Temperaturen um die minus 60 Grad Celcius. Auch der Norden Indiens, Bolivien und Teile Schwedens verzeichneten Kälterekorde.

Während die einen unter Hitze und Trockenheit stöhnten, hieß es in anderen Teilen der Welt Land unter. In der Bretagne in Frankreich schüttete es von Oktober 2000 bis März dieses Jahres bis zu 40 Prozent mehr Regen als sonst. Die höchste Flutwelle seit 1888 suchte Ungarn heim. Schwere Regenfälle in Mosambik, Sambia und der indonesischen Insel Java machten Tausende Menschen obdachlos. Schwere Regenfälle rissen in Guinea, Algerien und Vietnam viele Menschen in den Tod.

Dagegen war der Südosten Australiens trockener als gewohnt. In Indien fiel im Januar und Februar nur ein Drittel der sonst üblichen Niederschläge. Die fürchterliche Trockenheit in Teilen Irans, Afghanistans und Pakistans hielt das dritte Jahr hintereinander an. Dürre machte auch Brasilien sowie Kenia und die anderen Länder am Horn von Afrika zu schaffen.

Das Weltklima erwärmt sich nach UN-Daten bis Ende dieses Jahrhunderts um 1,4 bis 5,8 Grad im Vergleich zu 1990. Damit mehren sich nach Aussagen der UN-Forscher sowohl Dürren als auch Überschwemmungen.

Klimafaktor Mensch - Forscher weisen menschengemachten Treibhauseffekt nach:
http://www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/oeko12.htm

Internationale Organisation für Meteorologie (WMO):
http://www.wmo.ch/

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2001 weltweit 46 kriegerische Konflikte.
Sieben Millionen Menschen sind dabei zu Tode gekommen.

Mit dem Krieg in Afghanistan sind im Jahr 2001 weltweit 46 kriegerische Konflikte geführt worden, errechnete die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (Akuf) an der Universität Hamburg. Die von Kriegen am stärksten betroffenen Weltregionen sind nach wie vor Asien mit 16, Afrika mit 14 sowie der Vordere und Mittlere Orient mit zwölf Konflikten. Es folgen Lateinamerika und Europa mit jeweils zwei kriegerischen Auseinandersetzungen. Damit bestätigte sich den Angaben des Universiätsinstituts zufolge auch im Jahr 2001 die regionale Ungleichverteilung des weltweiten Kriegsgeschehens: Über 90 Prozent aller Kriege seit 1945 fanden in der "Dritten Welt" statt.

Auch der Trend zu innerstaatlichen Konflikten setzt sich fort: Zwischenstaatliche Kriege bildeten 2001 die Ausnahme. Zentrale Ursachen der gewaltsam ausgetragenen Konflikte waren und sind der Kampf um die Macht im Staat sowie Autonomie- und Sezessionsbestrebungen. Dabei wird die Zivilbevölkerung in immer stärkerem Maße in Mitleidenschaft gezogen. Nach Schätzungen sind in den 46 aktuellen Konflikten seit deren Beginn mehr als sieben Millionen Menschen zu Tode gekommen, die meisten von ihnen Zivilisten. Um ein Vielfaches höher liegt die Zahl der Verwundeten, der Vertriebenen und der Flüchtlinge. Die materiellen Schäden seien unermesslich, hieß es.

Mit den Anschlägen vom 11.Septemder und den vier Wochen später folgenden Luftangriffen der USA in Afghanistan seien alle anderen Kriege des Jahres 2001 überschattet und aus dem Blick der Medien verdrängt worden, so die Arbeitsstelle. Dabei sei der Palästina-Konflikt im Laufe des Jahres deutlich eskaliert. Die Spirale der Gewalt und Gegengewalt lasse Frieden unwahrscheinlicher denn je erscheinen.

Auch im Irak und in Somalia dauerten Kriege an, die weitgehend übersehen würden. Irakische Militäranlagen seien seit 1998 regelmäßig das Ziel von US-amerikanischen und britischen Luftangriffen. In Somalia habe auch die Bildung einer im Jahr 2000 aus längeren Friedensverhandlungen hervorgegangenen Übergangsregierung keine Befriedung des Landes herbeigeführt.

Akuf:
Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung
Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung
am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg

http://www.akuf.de

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Kirchen machen soziales Elend für Terrorismus mitverantwortlich

Deutsche Bischöfe riefen zum Jahreswechsel zu mehr sozialer Gerechtigkeit auf und machten soziales Elend für Gewalt und Terror mitverantwortlich. Der Münchner Kardinal Friedrich Wetter wies in seiner Silvesteransprache darauf hin, dass täglich 30000 Menschen, darunter 20000 Kinder, an Hunger sterben. "Nicht nur Gewalt und Terrorismus sind ein Skandal, der größte Skandal unserer Zeit ist der Hunger, dem mehr Menschen zum Opfer fallen als in allen Kriegen zusammen", sagte der katholische Geistliche. Extreme soziale Ungerechtigkeit sei aber der Nährboden für Gewalt, betonte Wetter. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, sagte am Neujahrsabend in Berlin, der Westen sei mit seinem Lebensstil in die Elendsstrukturen schuldhaft verwickelt. Dass alle zwei Minuten in Afrika ein Kind an Hunger und dessen Folgen sterbe, liege daran, "dass die Mächtigen der Welt frei sind, während die Ohnmächtigen in Abhängigkeit gefesselt seien".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, kritisierte die zunehmende inhaltsleere Inszenierung von Politik. Mehr und mehr verzichteten Politiker auf eine inhaltliche Auseinandersetzung. Der Wettbewerb scheine sich auf die Inszenierung von Politik zu begrenzen. "Hauptsache, man ist im Geschäft, auf dem Bildschirm oder in den Gazetten", so Lehmann. Vor dem Hintergrund der Bedrohung durch Terrorismus sei es erschütternd, wie sehr die Wahrnehmungsfähigkeit der Gesellschaft immer eingeengter und oberflächlicher werde. Gerade in der Politik werde weitgehend ausgeklammert, "was man konkret für erreichbare Ziele hält und womit tief greifende Konflikte gelöst werden".

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Ein Drittel aller Kleinkinder bekommt nicht genug zu essen

Weltweit litten derzeit 167 Millionen Kinder im Alter unter fünf Jahren an Mangelernährung, schätzt das International Food Policy Research Institut (Internationales Institut zur Erforschung der Ernährungspolitik, Ifpri). Die Zahl lasse sich ohne allzu großen Aufwand bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Sollten aber Politiker heute wichtige Weichen falsch stellen, werde sie allenfalls um 20 Prozent sinken.

Laut Ifpri fiel schon der Trend der vergangenen drei Jahrzehnte enttäuschend aus. Zwar ging der Anteil unterversorgter Kinder weltweit von rund 45 auf nur noch 31 Prozent zurück. Wegen des Bevölkerungswachstums nahm ihre Zahl aber nur um 20 Millionen ab.

Die Wissenschaftler betonen, Hunger sei heute keine Konsequenz zu geringer Lebensmittelproduktion. "Wenn Menschen aber das Geld fehlt, um Nahrung zu kaufen, dann werden ihre Bedürfnisse nicht in marktwirksame Nachfrage übersetzt", schreiben sie. Daraus folgt, das die Lebensmittelversorgung nur durch umfassende gesellschaftliche Entwicklung in der Dritten Welt gesichert werden kann. Es reicht nicht, die landwirtschaftliche Erzeugung in die Höhe zu treiben.

Die Experten fordern deshalb nicht nur Investitionen in die ländliche Infrastruktur, sondern auch mehr Mittel für Schulen und Gesundheitswesen. Jährlich würden rund zehn Milliarden Dollar gebraucht. "Das entspricht den weltweiten Militärausgaben nicht einmal einer Woche", sagt Ifpri-Fachmann Mark Rosegrant. Die betroffenen Länder könnten das größtenteils selbst finanzieren, heißt es. Allerdings müssten die Industrienationen endlich ihre Agrarmärkte öffnen und armen Ländern neue Chancen gewähren.

Internationales Institut zur Erforschung der Ernährungspolitik (Ifpri):
http://www.ifpri.org/
 
 

(Quellen: ap, dpa, kna, epd, fr)

 
 

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